Amtliches Zahlenwirrwarr

7 Jul

1,66 Millionen, 2,47 Millionen oder doch 3,49 Millionen? Trotz einer Differenz von fast zwei Millionen besagen diese drei Zahlen ein und dasselbe: nämlich die amtliche Zahl der Arbeitslosen in Deutschland. Wie das sein kann? Es kommt auf die Quelle und die jeweilige Berechnung an. Wir haben uns einmal durch das Zahlenwirrwarr gekämpft und die Daten des Statistischen Bundesamtes und der Agentur für Arbeit näher untersucht.

Alle Monate wieder: Ende des Monats veröffentlicht das Statistische Bundesamt seine Arbeitsmarktzahlen für den Vormonat. Kurz darauf folgt der offizielle Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit. Und alle Monate wieder weisen diese beiden offiziellen Zahlen eine gigantische Differenz auf: Ende Juni vermeldet das statistische Bundesamt für Mai 2017 rund 1,66 Millionen Erwerbslose in Deutschland (3,9 %). Am Tag darauf stellte die Bundesagentur für Arbeit ihren aktuellen Arbeitsmarktbericht vor. Demnach waren Ende Juni 2,47 Millionen Arbeitslose registriert (5,5 %).

Des Rätsels Lösung: Die Zahl der Bundesstatistiker wird nach dem sogenannten Erwerbstatuskonzept der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ermittelt. Und nach ILO-Definition gelten nur Personen im Alter von 15 bis 74 Jahren als erwerbslos, die tatsächlich keinerlei Beschäftigung ausüben. Wer beispielsweise täglich nur eine Stunde Zeitungen austrägt, fällt aus dieser Statistik raus. Der Hintergrund: Die ILO-Berechnungen machen die Erwerbslosenquoten in verschiedenen Ländern vergleichbar.

Das Bundesamt für Statistik weist ausdrücklich darauf hin, dass ihre Zahlen nicht mit der registrierten Arbeitslosigkeit verwechselt werden dürfen, die von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht wird.

Arbeitslos oder unterbeschäftig?

Aber auch die 2,47 Millionen Arbeitslosen, die die Bundesagentur für Arbeit für Juni 2017 meldet, geben nicht die tatsächliche Zahl der Arbeitslosen wieder. Die reale Arbeitslosigkeit liegt deutlich höher als die amtliche Quote von 5,5 %. Denn aus den „offiziellen“ Zahlen werden all diejenigen Personen heraus gerechnet, die dem Arbeitsmarkt nicht direkt zur Verfügung stehen. Sei es, weil sie an Trainings- oder Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen oder im sogenannten zweiten Arbeitsmarkt „fit“ für normale Jobs gemacht werden sollen. Und auch wer zeitweise arbeitsunfähig erkrankt ist, fliegt aus der Statistik, weil er aktuell ja nicht vermittelt werden kann.

Nachvollziehbar ist eine weitere „Korrektur“ der Zahlen: Arbeitslose, die sich mit Gründerzuschüsse selbständig machen, werden nicht aufgelistet. Auch Arbeitskräfte, die mit Beschäftigungszuschüssen des Arbeitsamtes versuchen, wieder einen Fuß in den Arbeitsmarkt zu bekommen, fallen aus der Statistik.

Insgesamt tauchten in der Juni-Statistik so 1,023 Millionen Menschen nicht als offiziell Arbeitslose auf. Sie finden sich allerdings in der „Unterbeschäftigungsquote“ wieder, in der alle beim Arbeitsamt gemeldeten Erwerbslosen zusammengefasst werden – und die lag im Juni 2017 bei 7,7 %. Das waren 3.496.000 Personen. Und das ist eigentlich die richtige Arbeitslosenzahl.

Allerdings fehlt noch eine weitere Gruppe in der Statistik: die sogenannte stille Reserve. Gemeint sind damit die Personen, die zwar arbeiten könnten oder wollen, sich aber nicht bei der Bundesagentur für Arbeit als arbeitssuchend melden. Warum auch immer!

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