Bildung gegen Fachkräftemangel

30 Aug

Während das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) derzeit noch keine Fachkräftelücke sieht, sondern lediglich von Engpässen in einigen Branchen spricht, droht einer Studie der Prognos AG zufolge schon in wenigen Jahren eine Fachkräftelücke von etwa 3 Millionen Arbeitskräften. Notwendig seien mehr Anstrengungen in lebenslange Bildung und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist zurzeit ausgesprochen gut. Die Zahl der Erwerbstätigen liegt mit über 44 Millionen auf Rekordniveau, Arbeitslosenquote und Unterbeschäftigung nehmen ab. Jedoch wird sich die Lage am Arbeitsmarkt in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren erheblich verschärfen. Fachkräfte werden über alle Branchen hinweg knapp, da die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Zahlen dazu legte jetzt die Prognos AG vor: Das Schweizer Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen hat für das Jahr 2030 eine Fachkräftelücke von etwa 3 Millionen, für 2040 sogar von rund 3,3 Millionen, errechnet. Als Hauptgrund führt Prognos die zunehmende Überalterung der deutschen Gesellschaft an. So werde die Zahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter kräftig sinken – um gut 10 Prozent bis zum Jahr 2040.

Andererseits gehe „die Arbeit nicht aus, sie wird aber komplexer“, sagte der Prognos-Chef Christian Böllhoff. Düster sieht es für einfache Jobs aus, viele werden wegfallen und durch elektronische Systeme oder Roboter ersetzen. Benötigt werden daher immer besser qualifizierte Fachkräfte. „Die Fachkräftelücke wird zu einer wachsenden Herausforderung für deutsche Unternehmen. Es werden sowohl Arbeitskräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung, aber auch mit Hochschulabschluss fehlen. Unqualifizierte werden dagegen von Arbeitslosigkeit bedroht sein“, so Böllhofer.

Fachkräftemangel fürht zu Umsatzeinbußen

Der Fachkräftemangel war in der letzten Konjunkturumfrage des DIHK erstmals die Hauptsorge der deutschen Unternehmen. Besonders besorgt sind kleine und mittelständische Unternehmen. 78 Prozent von ihnen haben inzwischen Probleme, Fachkräfte zu rekrutieren, dies führt schon bei jedem zweiten Mittelständler zu nennenswerten Umsatzeinbußen.

Zwar hat die Politik schon einiges gemacht, aber nach Einschätzung von Prognos reicht das nicht aus, um in der Zukunft ökonomisch erfolgreich zu bleiben. Deshalb sollten nachdrücklicher als bisher Maßnahmen umgesetzt werden, die eine hohe Zahl an qualifizierten Arbeitskräften mobilisieren. Dies umfasst die internationale Rekrutierung von Arbeitskräften ebenso wie eine längere Arbeitszeit von Älteren. Zudem müssen junge ebenso wie ältere Arbeitskräfte mit Qualifizierungen und Weiterbildung auf die Veränderungen der Digitalisierung vorbereitet werden.

Mehr Bildung, mehr Flexibilität

Das schnellste und zahlenmäßig effektivste Mittel gegen die Fachkräftelücke sei die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Hier gelte es entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Mütter ihrem Wunsch nach Erwerbstätigkeit verwirklichen können. Dabei seien Staat und Wirtschaft gleichermaßen gefordert: Die Kinderbetreuungsangebote müssen ausgebaut werden, die Betreuungszeiten ausgedehnt und flexibilisiert werden. Die Wirtschaft – und gerade auch kleine und mittelständische Unternehmen – müsse zudem viel stärker als bisher auf flexible Arbeitszeiten, z.B. in Kombination mit Homeoffice, setzen. Dies erfordert ein Umdenken in der Personalplanung und bei der Führung.

Um der Fachkräftelücke entgegenzuwirken, brauche es laut Prognos AG eine „Bildungsoffensive“: Während sich bei der akademischen Ausbildung bereits viel getan habe, müsse die berufliche Ausbildung gezielt gefördert werden, um mehr jungen Menschen zu einem Berufsabschluss zu verhelfen. Für Menschen im Berufsleben sei eine „effektivere und permanente Weiterbildung“ erforderlich, auch hier seien Politik und Wirtschaft gleichermaßen gefordert.

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