Die Vor- und Nachteile einer anonymen Bewerbung in Deutschland

4 Jul

VorstellungsgesprächVorurteile sind jedem schon einmal begegnet. Menschen werden aufgrund ihrer Nationalität, ihres Geschlechts, ihrer Religion oder ihrer Optik beurteilt. Manchmal ertappt man sich sogar selbst beim Verurteilen. Noch problematischer wird es allerdings, wenn beispielsweise türkische Bewerber aufgrund ihres Nachnamens keinen Job mehr bekommen oder noch nicht einmal mehr zum Bewerbungsgespräch eingeladen werden. Die anonyme Bewerbung soll Abhilfe schaffen. – Isabel Frankenberg

Laut des Instituts zur Zukunft der Arbeit haben Personen mit einem türkischen Nachnamen eine 14-prozentig geringere Chance auf die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Der anonyme Lebenslauf soll dabei Abhilfe schaffen, die Diskriminierung mindern und die Gleichberechtigung aller Arbeitnehmer steigern. Daher zeichnet er sich vor allem dadurch aus, dass die persönliche Einladung zu einem Vorstellungsgespräch weder aufgrund von Bewerbungsbildern, noch aufgrund anderer persönlicher Angaben erfolgt. Lediglich die erworbenen Qualifikationen führen zur persönlichen Vorstellung beim Arbeitgeber. Folgende Angaben entfallen also bei der anonymen Bewerbung:

  • Name und Adresse
  • Geschlecht und Bewerbungsfoto
  • Geburtsdatum und Alter
  • Familienstand und Herkunft

 

Im Gegenzug muss der Bewerber allerdings alle erworbenen Qualifikationen, also Schul- und Ausbildungsabschlüsse offenlegen und einreichen. Nachdem die Bewerbung vom Arbeitgeber gesichtet und der Bewerber zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, erhalten die Personaler auch alle weiteren persönlichen Informationen, um sich auf den Bewerber vorbereiten zu können.

Vorteile einer anonymen Bewerbung

Die Vorteile einer anonymen Bewerbung liegen also klar auf der Hand. Während sich der Arbeitgeber bei der Einsicht einer herkömmlichen Bewerbung von persönlichen Angaben oder sogar dem Bewerbungsfoto beeinflussen lassen kann, entscheidet er bei der anonymen Bewerbung lediglich aufgrund der Fähigkeiten und früherer Arbeitszeugnisse des Bewerbers. Jedoch bietet die anonyme Bewerbung auch Nachteile. Diese betreffen vor allem sehr junge und unerfahrene Arbeitnehmer. Diese verfügen in den meisten Fällen über wenig Praxiserfahrung und können daher nicht, wie ältere Bewerber, so viele Qualifikationen nachweisen. Allein die Qualifikationen werden hier nicht reichen, um den Arbeitgeber von den Fähigkeiten zu überzeugen. Hierbei wären hingegen einige persönliche Angaben hilfreich. Die anonyme Bewerbung ist also nicht für jeden Bewerber die beste Möglichkeit auf einen Job.

Dennoch bietet das Verfahren viele positive Erfahrungen. Im Jahr 2010 wurde die anonyme Bewerbung als Pilotprojekt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes getestet. Über 12 Monate wandten verschiedene Firmen, wie die Deutsche Post oder die Deutsche Telekom das Verfahren erfolgreich an. Insgesamt gingen rund 8.500 Bewerbungen ein, von denen 246 Stellen erfolgreich besetzt wurden.

Weitere Informationen zum Thema „anonyme Bewerbung“ finden Sie hier. Zudem bietet das kostenlose Ratgeberportal www.hartz4hilfthartz4.de viele weitere Ratgeber, Informationen und eBooks zu Themen, wie Kinderarmut, BAföG oder Jobcenter.

Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V.

Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V. wurde im Januar 2017 vom Rechtsjournalisten Marcel Weber in Berlin gegründet. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Transparenz im Bereich Sozialrecht zu schaffen, um interessierten Bürgerinnen und Bürgern einen Einblick in die wichtigsten Themen zu bieten.

Ziel und Zweck der Interessengemeinschaft e.V. ist die Beobachtung sozialrechtlicher Entwicklungen, Analyse und Kommentierung aktueller Rechtsprechungen sowie der Bereitstellung von Informationen und Hilfestellungen für Leistungsempfänger und Interessierte. Dabei verfolgt der Verein keinerlei eigenwirtschaftliche Zwecke. Die Mittel des Vereins dürfen nur für satzungsmäßige Zwecke verwendet werden. In ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Vereins erhalten diese keine Zuwendungen oder Gewinnanteile aus Mitteln des Vereins.

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