„Erzählen Sie mal was von sich“ – Die Tücken der Selbstpräsentation im Vorstellungsgespräch

19 Apr

Jeder, der schon einmal in einem Vorstellungsgespräch saß, kennt diesen Satz. Kaum hat der Personaler Firmenvorstellung und Tätigkeitsbeschreibung beendet, bittet er den Bewerber mit der harmlos klingenden Aufforderung „Dann erzählen Sie doch mal was von sich“ zur Selbstdarstellung.

Frohen Mutes fängt manch Bewerber an, seinen Lebenslauf zu erzählen. Kommt vom Hölzchen zum Stöckchen, verliert den roten Faden und wird irgendwann ungeduldig von seinem Gegenüber unterbrochen. Das Eigentor ist perfekt! Selbstbewusstsein und die Konzentration des Bewerbers spätestens dann im Keller. Wer bestimmte Details beachtet, kann allerdings überzeugend punkten!

Wichtig ist es, sich schon vor dem Gespräch in sein Gegenüber und die Anforderungen der Stelle hineinzuversetzen: Was von meinen Kompetenzen und Erfahrungen ist für mein Gegenüber interessant und für die Stelle relevant? Interessant sind hier jobrelevante Informationen. Die Chronologie des Lebenslaufs interessiert weniger, liegt sie ja bereits ausgedruckt vor dem Personaler.

Wozu überhaupt diese Selbstdarstellung? Mit der Aufforderung zur Selbstpräsentation verfolgt ein Unternehmen verschiedene Ziele: Weiß der Bewerber, was er kann und was für die Stelle relevant ist? Kann er (sich selbst) präsentieren, seine Kompetenzen glaubwürdig „verkaufen“ und auf den Punkt kommen? Nicht selten befindet sich der Bewerber hier unbewusst schon in einer Arbeitsprobe, wenn es beispielsweise um Positionen in der Beratung oder im Sales-Bereich geht.

Generell sollte die Selbstdarstellung des Bewerbers nicht länger als drei Minuten dauern und einen klaren Schluss haben. Ein möglicher Ablauf kann folgendermaßen aussehen:

  • Motivation für die Bewerbung
  • Jobrelevante Fachkompetenzen benennen (Berufserfahrung, Ausbildung u.ä.)
  • Etwa drei jobrelevante Schlüsselkompetenzen (= Soft Skills/Stärken) benennen
  • Klarer Schlusssatz à la „Mit mir kriegen Sie einen xyz Mitarbeiter, der …“ mit USP-Benennung und möglichen Nutzen (= Was ist an mir/meinen Fähigkeiten/Kompetenzen in der Kombination besonders).

Da nicht jeder „Fisch“ – sprich Firma – den gleichen Köder schluckt, empfiehlt es sich die Selbstpräsentation für jedes Vorstellungsgespräch aufs Neue zu erarbeiten. Auch Übungssequenzen mit Freund oder Partnerin – gegebenenfalls mit einem Bewerbungscoach und Kamera – fördern Sicherheit und Überzeugungskraft für die Selbstpräsentation im Vorstellungsgespräch. Und dann: Petri Heil!

Zur Autorin: Alexandra Reiter ist Diplom-Soziologin und seit rund 10 Jahren erfolgreich als Business Coach und Bewerbungsberaterin tätig.

 

One Response to “„Erzählen Sie mal was von sich“ – Die Tücken der Selbstpräsentation im Vorstellungsgespräch”

  1. simon hugfeld 15. April 2017 at 12:01 #

    Danke für den tollen Artikel! Ich befinde mich zurzeit auch im Bewerbungsprozess und wurde in bisher allen Bewerbungsgesprächen mit einer Selbstpräsentation konfrontiert. Mit einer guten Vorbereitung und genügend Hintergrund-Recherche (siehe auch https://dabego.de/die-selbstpraesentation-im-bewerbungsgespraech/) ist die Selbstpräsentation im Bewerbungsgespräch auch sehr gut machbar. Vor allem holt man sich durch eine gelungene Selbstpräsentation auch immer einen ordentlichen Schub extra-Selbstvertrauen, wenn es dann zu Fragen geht, die so nicht mehr zu antizipieren sind.

Hinterlasse eine Antwort