Führung: Wenn Methoden versagen ist die Beziehungskompetenz gefragt

19 Mai

shutterstock_64851580Wenn ich einen Hammer habe, dann passt der perfekt für Nägel. Bei Schrauben oder Federn komme ich nicht weiter. Der Hammer ist ein Bild für die Beschränktheit von Methoden. Und doch wollen Teilnehmer von Führungskräften-Seminaren häufig genau dies: die allumfassende Methodik für die Mitarbeiterführung. Checklisten und Tools sollen es richten und besonders die Beziehungskompetenz ist ein wichtiger Faktor!

Das Ergebnis in der Praxis ist häufig Frust. Denn jenseits des Seminarraumes warten nicht Nägel, Schrauben und Federn auf den Träger des Methodenkoffers. Es warten Menschen auf eine Führungskraft, die von sich heraus führen kann – ohne Tools und Tricks. Führung ist keine Methodenkompetenz. Führung ist Beziehungskompetenz. Beziehung zu sich selber und den Mitarbeitern. Das ist leichter geschrieben als umgesetzt. Drei Impulse die helfen, beziehungsorientiert zu führen.

Tipps für die Beziehungskompetenz

1) Entdecken Sie sich selbst!

Wer bin ich? Was ist mir wichtig? Fragen, die wir uns kaum stellen. Antworten, die uns herausfordern, denn wir müssen uns zu uns bekennen. Verantwortung übernehmen für unser Verhalten als Führungskraft. Transparent werden für die Mitarbeiter, wie wir ticken. Damit haben diese eine Chance, sich auf uns einzustellen und sich zu fragen, ob sie von uns geführt werden wollen. Entscheidend in der Führung ist immer das „Wie“. Sind wir transparent in unseren Entscheidungen oder willkürlich? Sind wir berechenbar in unserem Verhalten oder stellen wir ein Risiko für die Mitarbeiter dar. Erzeugen wir Angst im Team oder entsteht durch uns eine vertrauensvolle Basis der Zusammenarbeit? Alle Antworten hierauf führen durch eine Tür zu uns selbst. Denn wir geben und leben als Führungskräfte das Klima vor, in dem unser Team wächst oder verkümmert.

2) Erforschen Sie Ihre Mitarbeiter!

Ein Forschergeist braucht Offenheit. Ohne Offenheit wird er nichts entdecken und erkennen. Persönlichkeitstest in der Diagnostik von Mitarbeitern haben nur ein Ergebnis: Ein Stempel auf der Mitarbeiterstirn, dass er oder sie halt so XY-Typ sei. Damit lassen sich dann Diagramme und Matrixen bauen, um Mitarbeiter einzusortieren und zu bewerten. Achtung, keiner – auch Sie als Führungskraft – möchte bewertet werden, zumindest nicht negativ. Wir wollen anerkannt und gesehen werden in unserer Individualität. Mit allen Stärken, Schwächen, Stimmungen und Tageschwankungen, die das Arbeitsleben mit sich bringt. Für Führungskräfte bedeutet dies, gehe offen und unvoreingenommen mit Mitarbeitern um. Erkenne die eigene Wahrnehmungsbrille, durch die Sie auf Mitarbeiter schauen. Kleiner Tipp: Alles was Ihre Mitarbeiter machen, ergibt Sinn. Die Frage ist nur, erkennen wir diesen.

3) Leben Sie Ihre Werte vor!

Menschen folgen selten nur Wörtern. Sie wollen Taten. Taten, die zu den Wörtern passen. Daher ist es wichtig, als Führungskraft zu leben, was Sie wollen. Leistung einfordern und selber Däumchendrehen passen nicht zusammen. Alles Besserwissen, aber den Kundenkontakt scheuen ist unglaubwürdig. Ehrlichkeit einfordern und selber Lügen widersprechen sich. Sie sollten Ihre Führungswerte vorleben; dafür müssen Sie diese kennen. Womit sich der Kreis zum ersten Impuls schließt „Entdecken Sie sich selbst.“

Sascha-Schmidt-web-300x236Sascha Schmidt unterstützt Einzelpersonen und Unternehmen, das Spannungsfeld Karriere und Familie zu leben. In Coachings, Seminaren, Vorträgen und Webinaren ermutigt er karrierebewusste Eltern, einen individuellen und gesunden Weg zu gehen. Unternehmen hilft er, eine familien- freundliche Führungskultur zu entwickeln. Darum geht es auch in seinen Büchern „30 Minuten: Neue Väter – neue Karrieren“ und „Ganzheitliche Karriereplanung. Ein Leben in Balance“.

One Response to “Führung: Wenn Methoden versagen ist die Beziehungskompetenz gefragt”

  1. Jürgen Griesbeck 25. Mai 2016 at 09:28 #

    Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag, den ich in allen Punkten sofort unterschreibe. Dennoch bilden sich bedauerlicherweise immer wieder Konflikte im Arbeitsalltag ab, die bei aller Beziehungs- und Wertearbeit daran scheitern, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter einander wenig zielführend agieren, sich sabotieren und misstrauen und der „gute Grund“ oder der Sinn ihrer jeweiligen Aktionen gar kein zielführender ist. Dann kommen plötzlich sehr viele Gefühle ins Spiel und die Situation droht zu eskalieren. In diesen Situationen sind aus meiner Erfahrung Tools dann doch sehr hilfreich.

Hinterlasse eine Antwort