Ist der Ruf erst ruiniert …

13 Jul

Rote Karte

Der Ruf einer Firma kann bei der Suche nach Fachkräften entscheidend sein. Laut dem neuen Social-Media-Atlas des Hamburger Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF) meidet jeder fünfte Akademiker Unternehmen, die auf Online-Bewertungsplattformen schlecht wegkommen. Schon 2015 kam der Branchenverband Bitkom zu einem ähnlichen Ergebnis.

Bei der Lektüre von Stellenanzeigen gewinnt man den Eindruck, dass die Arbeitswelt in Deutschland einfach traumhaft sein muss. Von einem „motiviertem Team“ über „flache Hierarchien“ und „attraktives Gehalt“ bis hin zu einer „guten Work-Life Balance“ und Goodies aller Art wird vieles versprochen. Und so manches wohl auch gehalten. Allerdings überzeugen solche Aussagen viele Bewerber kaum mehr. Schließlich beschreibt sich inzwischen jede Firma so. Und wer dringend Mitarbeiter sucht, behauptet gerne das, was Bewerber erwarten und hören wollen.

Um sich ein realistisches Bild über eine Firma als möglichen Arbeitgeber zu machen, orientieren sich immer mehr Jobsuchende an dem, was andere über das Unternehmen sagen. In Zeiten von Internet und SocialMedia genügen dazu ein paar Klicks. Besondere Bedeutung kommt dabei Bewertungsplattformen wie „kununu“ oder „glassdoor“ zu. Wer hier schlecht abschneidet, hat zunehmend schlechte Karten bei der Mitarbeitersuche. Nachzulesen in dem dieser Tage vorgestellten neuen „Social-Media-Atlas“ der Kommunikationsberatung „Faktenkontor“ in Kooperation mit dem Hamburger Institut für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF). Danach haben sich 17 Prozent der deutschen Internet-Nutzer auf Jobsuche schon einmal gegen konkrete Stellenangebote entschieden, weil das jeweilige Unternehmen negativ bewertet wurde.

Akademiker legen Wert auf guten Ruf der Firma

Je höher ihre Schulbildung, umso mehr legen Jobsuchende Wert auf einen guten Ruf ihres potenziellen Arbeitgebers. Unter Internet-Nutzern mit Hauptschul-Abschluss entschied sich demnach jeder zehnte Arbeitssuchende aufgrund der schlechten Online-Reputation eines Unternehmens gegen eine Bewerbung auf einen vakanten Job. Unter Realschul-Absolventen sind es schon 16 Prozent, unter Abiturienten sogar 19 Prozent. Mit einem Hochschulabschluss in der Tasche steigt die Quote nochmals: Sie liegt unter Akademikern bei 22 Prozent.

„Die Zahlen zeigen: Eine schlechte Reputation macht es Unternehmen schwer, die besten Mitarbeiter für sich zu gewinnen. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels“, sagt Dr. Roland Heintze, Geschäftsführender des „Faktenkontors“. Dabei sollte man sich nicht nur auf das Web beschränken. „Verdient wird ein guter Ruf im echten Leben – das Internet spiegelt ihn nur wider.“

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam der Branchenverband Bitcom bereits 2015. Laut Bitcom informieren sich 29 Prozent der Internetnutzer auf den diversen Bewertungsportalen darüber, wie aktuelle und ehemalige Mitarbeiter ein Unternehmen bewerten. Mehr als drei Viertel (76 Prozent) gaben schon 2015 an, durch entsprechende Bewertungen in ihrer Entscheidung beeinflusst. 47 Prozent hätten sich bei negativen Bewertungen sogar schon einmal gegen ein Unternehmen als Arbeitgeber entschieden.

Auch wenn die Zahlen der beiden Untersuchungen weit auseinandergehen, hat Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder sicherlich recht, wenn er betont: „Unternehmen sollten genau beobachten, was und wie auf Online-Bewertungsportalen und in sozialen Netzwerken über sie geschrieben wird. Die Einschätzung von Mitarbeitern hat für Bewerber ebensolche Bedeutung wie eine aufwändig gestaltete Karriere-Webseite des Unternehmens.“

 

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