Selbstführung: Kontrolle über emotionale Affekte verbessert die Kommunikation

28 Apr

Die Fähigkeit zur Selbstführung ist eine der Grundvoraussetzungen für erfolgreiche Mitarbeiterführung. Warum ist das so? Viele Einstellungen und Verhaltensweisen entspringen unbewussten Mustern und Strategien, die oft schon in der frühen Biografie erworben wurden. Auf Basis dieser Muster kommt es zu automatischen, blitzschnell erfolgenden Bewertungen, Emotionen, Äußerungen oder Handlungsimpulsen. Es ist leicht nachvollziehbar, dass es für die Kommunikation nur förderlich sein kann, diese oft vorschnellen Reaktionen im Griff zu haben.

Aktive Handlungskontrolle statt automatisch-gewohnheitsmäßige Reaktion

Das kennen Sie sicher: Oftmals handelt man wie im Autopilot. Jemand sagt oder tut etwas und Sie reagieren wie auf Knopfdruck auf eine ganz bestimmte Weise, z.B. ungeduldig, bewertend, belehrend, verärgert oder gekränkt. Und wenn man eine unbedachte Äußerung, ein vorschnelles Urteil oder die eigene hochkochende Emotion bemerkt, ist es schon passiert. Auf Basis des Reiz-Reaktions-Schemas ist eine typische, vorhersehbare Kommunikationsspirale in Gang gekommen. Wenn Sie sich in so einer Situation wiederfinden, stellen Sie sich beim nächsten Mal doch einmal folgende Fragen:

  • Analysieren Sie Ihre Wahrnehmung: Welche Wahrnehmung ruft diese immer gleiche spontane Reaktion hervor, z.B. was hören, beobachten oder empfinden Sie?
  • Was ist Ihre klassische Interpretation der Situation? Welche anderen Gedanken und Schlussfolgerungen wären möglich? Beispiel: Welche Absichten (außer den üblicherweise vermuteten) könnte Ihr Gegenüber haben? Worum geht es wirklich? Welche anderen Bewertungen oder Entscheidungen wären möglich?
  • Ist Ihre automatische Reaktion der konkreten Situation angemessen?
  • Was an der Situation kommt Ihnen schon länger bekannt vor? Wo, wann und unter welchen Umständen haben Sie gelernt/begonnen, so zu reagieren?
  • Worum geht es Ihnen wirklich? Was zum Beispiel ist Ihre eigentliche positive Absicht, die Sie zum Ausdruck bringen möchten?
  • Welche andere Reaktion wäre möglich, um neutraler, situationsgerechter und zielführender zu reagieren?

Eine Analyse lohnt sich

Wenn Sie den Reiz-Reaktions-Mechanismus bewusst und wertfrei beobachten, bekommen Sie Abstand dazu. Beim nächsten Mal können Sie kurz innehalten und entscheiden, ob Sie den Reaktionsimpuls ausleben oder darauf verzichten wollen. Alleine durch diese „Impulsdistanz“, und das Abstandnehmen gewinnt man an Souveränität und Handlungsspielraum – und bezieht die Dinge nicht so sehr auf die eigene Person. Dadurch kann Kommunikation aktiver gestalten werden: klarer, wertschätzender, fairer und letztlich erfolgreicher.

Elisabeth HenschelÜber die Autorin:

Elisabeth Henschel studierte BWL und Wirtschaftspsychologie. Sie verfügt über 20 Jahre Berufserfahrung in der Kommunikations- und Unternehmensberatung und ist seit 2004 selbstständiger Business Coach in München mit den Schwerpunkten Persönlichkeitsentwicklung, Selbstmanagement, Kommunikation, Karriere, Begleitung von Veränderungsprozessen und Krisen. www.henschel-coaching.de

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