Migranten als Unternehmer

26 Sep

Die Inhaber von 375.000 Unternehmen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Sie machen rund 280 Milliarden Umsatz und stellen etwa 2,2 Millionen Arbeitsplätze. Dazu gehört das Bauunternehmen aus Rumänien ebenso wie der italienische Pizzeria-Inhaber oder der  Betreiber des türkischen Dönerstands, aber zunehmend auch Technologie-affine Start-ups und unternehmensnahe Dienstleistungen.

Seit Jahren steigt die Anzahl der Selbstständigen mit Migrationshintergrund in Deutschland an – allein zwischen 2005 und 2015 um 30 Prozent. Die oft jungen Unternehmer mit Migrationshintergrund gewinnen damit volkswirtschaftlich zunehmend an Bedeutung – auch als Arbeitgeber. Eine jetzt vorgestellte Untersuchung des Institus für Mittelstandsforschung (IfM) untersucht die Besonderheiten dieser Firmen.  Die Basis der Untersuchung bildet eine Online-Befragung von 1400 Unternehmen. Unter Migranten werden in dieser Studie Personen verstanden, die selbst oder deren Eltern(teile) nach Deutschland zugewandert sind.

Migrantengeführte Familienunternehmen stellen inzwischen ein bedeutendes Wirtschaftssegment in Deutschland dar. Ihre Zahl liegt mittlerweile deutschlandweit bei rund 375.000 Unternehmen, damit ist jede zehnte Firma hierzulande ein migrantengeführtes Familienunternehmen.  Sie erwirtschafteten im Jahr 2014 etwa 280 Milliarden Euro Jahresumsatz, das sind rund vier Prozent des Gesamtumsatzes der deutschen Wirtschaft. Und sie werden auch als Arbeitnehmer immer wichtiger.

Jeder 20. hat einen Migranten als Chef

Migrantengeführte Familienunternehmen beschäftigen im Durchschnitt zwar weniger Mitarbeiter als vergleichbare deutsche Firmen, dennoch stellen sie mit rund 2,25 Millionen Jobs rund 5 Prozent aller Arbeitsplätze in Deutschland bereit. Fast jedes zehnte migrantengeführte Unternehmen beschäftigt mehr als 50 Mitarbeiter, rund 2 Prozent sogar über 250 Mitarbeiter, gilt damit per Definition als Großunternehmen. Überdurchschnittlich häufig beschäftigen sie ihrerseits Arbeitnehmer mit Zuwanderungsgeschichte beschäftigt, Ende 2016 rund 13 Prozent aller Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund in Deutschland. Damit kommt diesen Unternehmen auch eine wichtige Integrationsfunktion auf dem bundesdeutschen Arbeitsmarkt zu.

Entgegen dem weit verbreiteten Bild, Migranten seien in ökonomisch randständigen Bereichen aktiv, zeigt die IfM-Untersuchung, dass sie mindestens genauso häufig wie deutsche Familienunternehmen in wissensintensiven Bereichen wie z.B. Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Informations- und Kommunikationstechnologie tätig sind. In den Freien Berufen sind sogar mehr Migranten anzutreffen. Zudem führten migrantengeführte Unternehmen in den letzten drei Jahren tendenziell häufiger Neuerungen ein, beispielsweise  in Form neuer Produkte und Dienstleistungen, als nicht-migrantengeführte Familienunternehmen.  Und schließlich setzen migrantengeführte Familienunternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen auch häufiger im Ausland ab.  Sie tragen also einen nicht unerheblichen Teil zum deutschen Export bei.

Wobei die eigene Herkunftsregion nur von gut einem Fünftel aller migrantengeführten Familienunternehmen als bedeutsam für die eigene Geschäftstätigkeit angesehen wird, mit Ausnahme von reinen Im- und Exportunternehmen.  Die Herkunftsregion dient in diesem Fall vornehmlich als Absatzmarkt und weniger als Herkunftsland der eigenen Produkte und Dienstleistungen, der Geschäftspartner oder Mitarbeiter. Die im Inland agierenden Unternemen von Migranten haben dagegen seltener Kunden gleicher Ethnie im Fokus.

Die Untersuchung im Rahmen der Reihe IfM-Materialien finden sie hier (pdf, 67 Seiten)

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