Mit Schulnoten punkten

19 Okt

Welche Anforderungen stellen Betriebe an Lehrstellenbewerber mit mittlerem Schulabschluss? Eine Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigt: Nach wie vor sind Schulnoten und das Sozialverhalten in der Schule wichtige Kriterien. Allerdings steigen auch für Bewerber mit schlechteren Leistungen die Chancen auf eine Lehrstelle, wenn Betriebe Probleme haben, ihre Ausbidungsstellen zu besetzen.

Für die Studie sollten Betriebe anhand fiktiver Profile von Bewerbern mit mittlerem Schulabschluss angeben, wie wahrscheinlich es ist, dass diese im Auswahlverfahren um eine Ausbildungsstelle berücksichtigt werden. Dabei zeigte sich, dass die schulischen Leistungen sowie das Sozialverhalten in der Schule wichtige Kriterien bei der Bewerberauswahl sind. Wenn Betriebe – sei es wegen fehlender Schulabgänger oder einem Überangebot an Lehrstellen in ihrer Region – Probleme haben, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen, dann sind sie nach Durchsicht der schriftlichen Bewerbungsunterlagen grundsätzlich eher bereit, auch Bewerber mit schlechteren Bewertungen zu berücksichtigen.

Schulnoten sind nicht alles, aber …

Allerdings sind Betriebe auch in schwierigen Nachwuchssituationen nicht grundsätzlich bereit, allzu viele Abstriche bei ihren Auswahlkriterien zu machen. Denn nach Einschätzung der Unternehmen sind einigermaßen gute Noten und ein schon in der Schule gezeigtes positives Sozialverhalten unverzichtbar für das erfolgreiche Absolvieren einer betrieblichen Ausbildung. Die Studie liefert damit auch einen Erklärungsbaustein für die nach wie vor hohe Zahl unbesetzter Ausbildungsstellen auf der einen Seite und die vielen unversorgten Schulabgängern auf der anderen Seite.

BIBB-Präsident Prof. Friedrich Hubert Esser appelliert an beide Seiten: „Ausbilder sollten sich an ihre eigenen beruflichen Anfänge erinnern und sich vergegenwärtigen, mit welchen Fähigkeiten und Kenntnissen sie selbst ins Berufsleben gestartet sind und wie sie erst im Laufe der Zeit wichtige Erfahrungen gesammelt und berufliche Kompetenzen aufgebaut haben. Betriebe sollten mehr jungen Ausbildungssuchenden die Möglichkeit zum persönlichen Kennenlernen einräumen“. Den jungen Leute rät er, regional mobiler zu sein: „Für Bewerber steigen die Chancen, wenn sie eine Region in Betracht ziehen, in der Betriebe händeringend Auszubildende suchen“, so Esser weiter. Die Studie zeige aber auch, dass die Basis für eine erfolgreiche Berufsausbildung an der Schule gelegt werde.

Für die Studie im Rahmen des „BIBB-Betriebspanels zu Qualifizierung und Kompetenzentwicklung“ wurden über 500 Betriebe anhand von knapp 3.000 fiktiven Profilen von Ausbildungsstellenbewerberinnen und -bewerbern befragt.

Die Ausgabe steht als Download kostenlos hier zur Verfügung.

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