Nur der Süden ist Weltspitze

25 Jul

Einige wenige Wirtschaftsräume in Bayern und Baden-Württemberg dominieren die sprichwörtliche deutsche Innovationslandschaft und liegen auch international an der Weltspitze. In den meisten Regionen wird jedoch deutlich zu wenig in Forschung investiert, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Gefordert wird, dass die Politik gezielt gegensteuert.

Einige Regionen in Süddeutschland sind Ideenschmieden auf Weltniveau. Nirgends fließt hierzulande so viel Geld in Forschung und Entwicklung – und das zahlt sich aus: So liegt der Raum rund um Stuttgart mit 577 Patentanmeldungen pro 100.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten deutschlandweit an der Spitze. An zweiter Stelle folgt der Raum Ingolstadt mit 486 Patentanmeldungen, auf Platz drei der Großraum München mit 462 Anmeldungen. Auf Platz vier der Großraum Bodenseekreis mit 391 Anmeldungen, Platz 5 belegt der Großraum Braunschweig/Wolfsburg mit immerhin noch 323 Patentanmeldungen. Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt liegt bei lediglich 125 Patentanmeldungen pro 100.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Etliche Regionen vor allem in ostdeutschland bringen es nicht einmal auf 5 Patentanmeldungen.

Metall- und Elektroindustrie an der Weltspitze

International erfolgreiche Spitzencluster nach Vorbild des Silicon Valley gibt es also auch in Deutschland, so das Fazit der IW-Forscher. „Würde das ganze Land wie Baden-Württemberg und Bayern forschen, lägen wir im internationalen Vergleich auf Platz eins“, analysiert IW-Wissenschaftler Oliver Koppel. Vor allem Regionen mit einer starken Metall- und Elektroindustrie treiben die Innovation voran. Doch die Innovationskraft ist hierzulande extrem ungleich verteilt, die meisten Bundesländer fallen im Vergleich stark ab und ziehen Deutschland nach unten. Lediglich den Wirtschaftsräumen um Wolfsburg und Jena gelingt es, die Dominanz des Südens zu durchbrechen. In beiden Regionen fließt überdurchschnittlich viel Geld in die Forschung – mit entsprechenden Patenterfolgen.

Insgesamt verpassen aber drei Viertel aller deutschen Wirtschaftsräume das EU-Ziel, zwei Prozent der Wirtschaftsleistung in unternehmerische Forschung zu investieren. Vor allem ländliche Gebiete fallen weiter hinter die Großstädte zurück.

„Die Politik muss mehr dafür tun, dass bislang schwächere Innovationsregionen aufschließen, ohne die Top-Regionen zu schwächen“, sagt Koppel. Dafür sollten forschende Unternehmen steuerlich gefördert werden. Zudem müsse das Breitbandinternet auf dem Land ausgebaut werden, um technologieorientierte Unternehmensgründungen auch abseits der Ballungszentren zu erleichtern. Ziel müsse es sein, eine gleichmäßiger über das Land verteilte Innovationskraft zu erreichen und Deutschland damit insgesamt zu stärken.

Die IW-Analyse „Innovationsatlas 2017 – Wo Deutschlands Ideen entstehen“ finden sie hier (pdf, 64 Seiten)

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