Karriere & Familie: Was heißt Familienfreundlichkeit im Unternehmen?

9 Mrz

shutterstock_66311260Familienfreundlichkeit im Unternehmen ist eine Frage der Wertekultur in den Köpfen der Inhaber, Geschäftsführer, Führungskräfte und Mitarbeiter. Die Kultur wird von oben nach unten gelebt – anders funktioniert es nicht! Und so ist es nicht verwunderlich, dass gerade mittelständische Familienunternehmen oder Startups mit Eltern als Gründer das Thema Familienfreundlichkeit in der Unternehmens-DNA haben. Was heißt „Vereinbarung von Beruf und Familie“ eigentlich? Welche Interessen haben die unterschiedlichen Player in diesem ernsten Spiel?

 

Perspektive Politik und Wirtschaft allgemein

Mit dem Entdecken des Fachkräftemangels wurde zugleich die Frau als wertvolle „Humanressource“ wiederentdeckt, die es gilt, so schnell wie möglich wieder für die Ziele des Unternehmens einzuspannen. Welches Potential wird verschenkt, wenn die studierten Mitarbeiterinnen – im Idealfall Naturwissenschaftlerinnen – nicht wieder eingebunden werden können? Ein großes Potential! So ist es absolut verständlich, dass Politik und Wirtschaft Rahmenbedingungen wie Betreuungsangebote oder flexible Arbeitszeiten schaffen, damit der Wiedereinstieg nach der Elternzeit den Müttern und ganz wenigen Vätern leicht fällt.

Perspektive Unternehmer

Die Sichtweise hängt stark davon ab, wie ein Unternehmer seine Mitarbeiter sieht. Ist es „Humankapital“ oder sind es Menschen mit individuellen Bedürfnissen, Stärken und Lebensgeschichten? Das sagt sehr viel über die Unternehmenskultur aus. Familienfreundlichkeit gelingt nicht, indem man sich für zigtausend Euro zertifizieren lässt und dann das Logo auf seine Arbeitgeberbroschüren klebt. Die Nagelprobe ist der Gesichtsausdruck eines Chefs, wenn eine Mitarbeiterin sagt „Ich bin schwanger“ oder ein Projektleiter signalisiert „Ich will die nächsten zwei Jahre Teilzeit arbeiten.“

Familienfreundliche Unternehmen finden dann individuelle Lösungen. Denn es gibt keinen Masterplan dafür! Familienleben ist höchst individuell und lässt sich nicht mit Excel-Tabellen steuern. Daher bedarf es für jeden Mitarbeiter angepasste Lösungen – das kann bei dem einen eine finanzielle Unterstützung für die Betreuung und bei einem anderen Teilzeit sein.

Interessanterweise leben viele Mittelständler genau dies! Sie kommunizieren es jedoch nicht und vergeben sich damit große Chancen im Wettbewerb um neue Mitarbeiter. Die Vorteile von gelebter Familienfreundlichkeit liegen auf der Hand und werden mit vielen Studien untermauert:

  • Geringe Mitarbeiterfluktuation, hohe Loyalität und keine Know-How-Abwanderung

 

  • Geringere Rekrutierungskosten und positive Ausstrahlung der Arbeitgebermarke

 

  • Geringere Krankheitsstände und innere Kündigungen

 

  • Geringere Lohnkosten, denn Mitarbeiter wollen und brauchen menschliche Anerkennung; wer Anerkennung nur über den Lohn auszahlt, beschäftigt Söldner, die schnell zum noch besser Zahlenden wechseln.

 

Perspektive berufstätige Eltern

Mutter und Vater zu werden ist ein Wunder. Mit einem Schlag ist das Leben neu und anders. Die Planbarkeit ist weg und dafür eine große Verantwortung für das Kind da. Intuitiv wissen Eltern, wie sie Familie und Beruf leben wollen. Leider hören viele nicht auf ihre Intuition, da Druck von Seiten der Politik, Gesellschaft, Wirtschaftsverbänden und Medien aufgebaut wird. Der „Lärm“ der unterschiedlichen Interessen ist so groß, dass das Bauchgefühl überhört wird.

In Vorträgen und in Karrierecoachings stelle ich immer wieder eine einfache Frage, auf die karrierebewusste Eltern häufig keine leichte Antwort finden:

Was für eine Mutter oder was für ein Vater willst Du sein?

Mit einem Schlag geht es um mich als Frau und Mutter, als Mann und Vater. Wie fühle ich mich in der Situation? Was möchte ich meinem Kind mitgeben und vorleben? Wie will ich meine Partnerschaft und Familie leben? Was bedeutet Karriere für mich? Welche Erfüllung bringt mein Beruf mir ein? Und so weiter. Das sind höchst persönliche Fragen auf die nicht die Politik oder die Medien die Antwort geben können (auch wenn sie es immer wieder versuchen). Die Antwort muss jeder für sich alleine formulieren und dann leben.

Als Unternehmen kann ich signalisieren, dass ich jede Entscheidung respektiere und dann versuchen werde, die Umsetzung zu unterstützen. Als Chef wird meine menschliche und herzliche Reaktion maßgeblich Einfluss darauf haben, ob eine Mutter motiviert ist, ihr Wissen und Können wieder einzubringen oder ob sie spürt, dass sie gar nicht erwünscht ist. Hier schließt sich wieder der Kreis zu Führungs- und Unternehmenskultur.

Perspektive Kind

Die Kinder werden übrigens in diesem Zusammenhang fast nie gefragt. Was braucht ein Kind, damit es gut und gesund aufwachsen kann? Kinder brauchen am Anfang liebevolle und verlässliche Bindung und Beziehung zu festen Bezugspersonen. Die ersten Personen sind für das Kind Mama und Papa. Wenn Papa Vollzeit und Mama in Teilzeit arbeitet, dann ist es sehr wichtig, darauf zu achten, wie die Qualität der externen Betreuung aussieht. (Wenn beide Vollzeit arbeiten, dann umso mehr!)

Fazit

Kinder brauchen Eltern, die mit sich und ihrem Leben zufrieden und glücklich sind. Hier kommen Eltern in die Verantwortung, für ihre eigene persönliche und berufliche Zufriedenheit zu sorgen. Also ehrlich zu sich selbst zu sein. Zu definieren, was ihnen wichtig ist. Unternehmen können darauf reagieren und unterstützen. Je mehr Familienfreundlichkeit in der Unternehmens-DNA steckt, umso leichter wird es dem Unternehmen fallen. Familienfreundlichkeit fängt bei der Kultur im Unternehmen an und hört beim direkten Umgang von Chef und Mitarbeiter bzw. unter Kollegen auf. Unternehmen, die dies leben, haben schon jetzt deutliche und messbare Vorteile im Wettbewerb um neue Mitarbeiter.

 

Sascha-Schmidt-webÜber den Autor:

Sascha Schmidt unterstützt Einzelpersonen und Unternehmen, das Spannungsfeld Karriere und Familie zu leben. In Coachings, Seminaren, Vorträgen und Webinaren ermutigt er karrierebewusste Eltern, einen individuellen und gesunden Weg zu gehen. Unternehmen hilft er, eine familienfreundliche Führungskultur zu entwickeln. Darum geht es auch in seinen Büchern „30 Minuten: Neue Väter – neue Karrieren“ und „Ganzheitliche Karriereplanung. Ein Leben in Balance“.

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