… und noch eine Geschichte zum Fachkräftemangel

24 Mrz

Besprechung10.00 Uhr. Besprechung beim Chef. Dabei der ganze Führungsstab. Und oben auf der Agenda das Thema: ‚Fachkräfte _ wo nehmen wir sie her‘.

 

 

 

Satte 25 Prozent mehr Aufträge sind mittelfristig drin …

verkündet optimistisch unser Verkaufsleiter … er braucht dazu bloß noch ein paar branchenerfahrene Vertriebler. Auch die Fertigung packt das anvisierte Auftragsplus – vorausgesetzt, es kommen endlich die lang ersehnten zusätzlichen Techniker und Ingenieure. IT wünscht sich schlicht und einfach noch zwei Software-Entwickler – dann wird alles gut. Man ist sich einig: „Die Personaldecke ist dünn, wir brauchen … und das zeitnah …“. Genau dafür sind auch der Chef und Finance: „… Doch bitte, meine Damen und Herren, denken Sie an das Budget und die Kosten.“  Jetzt bin ich an der Reihe: „Sagen Sie als unser Personalleiter doch auch mal was dazu …“

Nun ja, sage ich, seit gut 5 Jahren tritt unser Budget fürs Recruiting auf der Stelle

Was läuft, läuft am Limit – und auch nur nebenbei. Hauptamtlich kann sich bei mir keiner ums Recruiting kümmern. Auch deshalb dauert unser Bewerbungsprozess so lange. Doch wir sind dran am Problem. Ich erzähle, dass wir diesen Prozess gerade so umgestalten, dass Bewerber sich wertgeschätzt fühlen. Die Abläufe werden schneller und einfacher. Kein Kandidat soll künftig aus Frust übers Procedere noch abspringen.

Man kann mir nicht vorwerfen, dass unsere HR hinterm Berg werkelt

Wir haben auf Offensive geschaltet und vernetzen uns gerade mit den anderen Fachabteilungen. Vor allem mit dem Marketing. Ein Bewerberportal wurde in den neuen Online-Auftritt integriert. Unsere aktuellen On- und Offline-Stellenanzeigen orientieren sich an der Employer Brand des Unternehmens. Für potenzielle Bewerber sind wir damit deutlich attraktiver geworden. Und bei den Suchmaschinen nach vorn gerückt. Die Bewerbungen werden quantitativ und qualitativ besser. Das ist gut, löst aber auch nicht alle Probleme.

Unser Standort liegt nun mal in der Provinz

Mit rund 280 Beschäftigten produzieren wir Systembauteile, die im Großanlagen-Geschäft in halb Europa verbaut werden. Trotzdem kennt uns kaum einer. Unser Standort bietet zwar jede Menge Lebensqualität, für viele liegt er aber einfach zu weit vom Schuss.

Den technischen Nachwuchs rekrutiere ich deshalb nicht unbedingt an einer Elite-Uni –  wir KMUs kommen da ohnehin nicht wirklich zum Zug. Lieber kooperiere ich, auch mal gemeinsam mit Betrieben aus der Nachbarschaft, mit unserer regionalen Fachhochschule. Auch da gibt’s gute Leute. An ‚die‘ vergeben wir Abschlussarbeiten, wir halten Fachvorträge, bieten Praktika an. Selbst Studienabbrecher ließen sich mit einem verkürzten Ausbildungsangebot schon locken, um dann später ganz bei uns zu bleiben.

Als Mittelständler bieten wir, was viele suchen.

Jobs zum Beispiel, in denen das Leben ein Stück verlässlich und planbar bleibt. Ein Umfeld, in dem man nicht nur als Leistungsträger, sondern auch als Mensch zählt.  Man kennt sich, ist gefragt und wird gebraucht, kann oft schon sehr früh Verantwortung übernehmen. Übrigens erwarten die meisten Menschen keine Traumgagen – ein faires Einkommen dagegen schon.

Gras wächst nicht schneller, wenn man es zieht.

Den Zaubertrank für die Lösung des Fachkräfteproblems hat bislang noch keiner gefunden. Aber es gibt viele gute Ansätze. Etwas Kreativität dabei schadet nicht. Ohne die Bereitschaft, Bewährtes in Frage zu stellen und neue Wege zu gehen, wird es nicht gehen. Es geht auch nicht ohne Geduld, die bekannterweise Wegbegleiter des Erfolges ist.

HansUlrichWürthHans Ulrich Würth ist Copywriter für Employer Branding und Direct Response. Klienten sind Unternehmensberatungen, Personalagenturen, Online-Jobbörsen, Werbeagenturen und mittelständische Unternehmen.

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